LemaS: Quo vadis Schulische Begabtenförderung?

Fachartikel von Christine Koop im Informationsdienst „Praxis Schulpsychologie“

Datum

10/2022

Seit fünf Jahren engagiert sich der  Arbeitskreis Hochbegabung in der Schulpsychologie  für die Einbindung der Schulpsychologie in die  Bund-Länder-Initiative LemaS. In der aktuellen Ausgabe der „Praxis Schulpsychologie“ informiert ein Artikel von Christine Koop über dieses Engagement und fordert die Schulpsychologischen Dienste der Länder dazu auf, auch selbst den Dialog mit den verantwortlichen Akteuren zu suchen. 

Dieser Fachartikel von Dipl.-Psych. Christine Koop, Ressortleitung Beratung der Karg-Stiftung, erscheint am 13. Oktober 2022 in Praxis Schulpsychologie, Ausgabe 32, 10/2022. 


 

Länderübergreifender Austausch erfolgreich etabliert

QUO VADIS SCHULISCHE BEGABTENFÖRDERUNG?


In Diskurs und Strukturen zur schulischen Begabtenförderung tut sich gegenwärtig viel. Für die Schulpsychologie heißt es, am Ball zu bleiben, ihre Angebote und Netzwerke zu aktualisieren und sich für ihren Einbezug zu engagieren.

Die schulische Begabungs- und Begabtenförderung erfährt gegenwärtig eine umfassende Weiterentwicklung im Rahmen von Unterricht, Schule und schulischen Netzwerken. Einen wesentlichen Motor hierfür stellt die 2018 gestartete Bund-Länder-Initiative zur Förderung leistungsstarker und potenziell besonders leistungsfähiger Schülerinnen und Schüler („Leistung macht Schule“, LemaS) dar. Ziel der Initiative ist es, begabte und leistungsfähige Schülerinnen und Schüler unabhängig von Herkunft, Geschlecht und sozialem Status so im Regelschulkontext zu fördern, dass für sie ein bestmöglicher Lern- und Bildungserfolg gesichert ist.

Phase 2 von LemaS gestartet 

In der ersten Projektphase erarbeiteten 300 Schulen und 16 Hochschulen aus ganz Deutschland Strategien, Konzepte und Maßnahmen, um die Talente und Potenziale von Kindern und Jugendlichen frühzeitig zu entdecken und gezielt zu fördern (www.lemas-forschung.de). 2023 tritt LemaS in die zweite Phase: Die erzielten Ergebnisse sollen bis 2028 in allen Bundesländern im Regelsystem Schule verstetigt werden. Die Länder sollen hierbei den Transfer der gewonnenen Forschungsergebnisse in viele weitere Schulen gewährleisten. Zu den Aufgaben des Bundes (BMBF) gehören die wissenschaftliche Begleitung und die Unterstützung der überregionalen Netzwerkkoordination.

Im Zuge von LemaS reformieren viele Bundesländer ihre Strukturen in der schulischen Begabtenförderung. Es wird eine deutlich größere Zahl an Schülerinnen und Schüler adressiert als durch klassische Maßnahmen zur Förderung Hochbegabter. Vielmehr sollen im Regelschulsystem eine stärkenorientierte Schulkultur und individuelle Förderung etabliert werden. Damit verändern sich die Anforderungen an das professionelle Handeln aller Akteure im Schulsystem, auch der Schulpsychologie. 

Einbezug der Schulpsychologie wichtig

Der Arbeitskreis Hochbegabung in der Schulpsychologie, eine Initiative der Sektion Schulpsychologie, des Hoch-Begabten-Zentrums Rheinland und der Karg-Stiftung, engagiert sich für einen angemessenen Einbezug schulpsychologischer Strukturen und Kompetenzen und unterstützt den länderübergreifenden Austausch. Er wirbt bei den LemaS-Verantwortlichen der Länder regelmäßig für die Potenziale und die Notwendigkeit des Einbezugs der Schulpsychologie. Seine Forderungen erneuerte er jüngst mit einer Stellungnahme und gab gemeinsam mit der Sektionsvorsitzenden Andrea Spies Empfehlungen zur Ausgestaltung dieses Einbezugs ab: 

Heute schon an morgen denken - Sektion Schulpsychologie des BDP und Arbeitskreis „Hochbegabung in der Schulpsychologie“ fordern verstärkte Bemühungen beim Einbezug der Schulpsychologie in die Bund-Länder-Förderinitiative LemaS 

Zentral für das Gelingen dürften dabei folgende Aspekte sein: 

  • interdisziplinäre Kooperationsstrukturen von pädagogischem und psychologischem Unterstützungssystem
  • Zugang zu den Erkenntnissen sowie entwickelten Strategien, Konzepten und Maßnahmen für die Schulpsychologie 
  • eine Verständigung zwischen Ministerien, Landesinstituten und Schulpsychologie zu Aufgaben, Rollen und Funktionen in sich verändernden Unterstützungsstrukturen. 

Die Schulpsychologischen Dienste sollten aktiv auf die LemaS-Verantwortlichen der Länder zugehen und mögliche Auswirkungen der aktuellen Entwicklungen auf ihre Angebote reflektieren. Zudem braucht es auch in der Schulpsychologie Netzwerkstrukturen und definierte Verantwortlichkeiten im Bereich der schulischen Begabungs- und Begabtenförderung. 

Miteinander im Gespräch bleiben 

Mittlerweile wird die Schulpsychologie in einer Reihe von Bundesländern bei LemaS-Aktivitäten einbezogen, nicht zuletzt Dank des Einsatzes der Mitarbeitenden im Arbeitskreis. In anderen Ländern und auch auf Bundesebene wird sie jedoch noch nicht eigenaktiv adressiert. Aus diesen Gründen wird der Arbeitskreis sein Engagement fortsetzen, z. B. durch

  • einen regelmäßigen länderübergreifenden Austausch für Schulpsycholog:innen zur LemaS-Initiative 
  • die Organisation von Vorträgen oder Workshops zu Ergebnissen und Themen aus der LemaS-Initiative sowie
  • die Fortsetzung des Dialogs mit den LemaS-Verantwortlichen von Bund und Ländern. 


Interessierte Kolleginnen und Kollegen können die Aktivitäten des Arbeitskreises unter www.arbeitskreis-hochbegabung.de  verfolgen und sind herzlich zur Mitwirkung eingeladen.“ 

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